MG4 · KLEVE
Laden
LETZTE LADUNG
STROMMIX BEIM LADEN
METHODIK, BERECHNUNG & DATENLAGE
Grundprinzip. Strom hat kein Etikett – aus der Ladesäule kommt physikalisch immer der Mix des gesamten Netzes zum jeweiligen Zeitpunkt. Alle Zahlen hier beantworten deshalb die Frage: Woraus bestand das Netz genau in den Minuten, in denen dieses Auto geladen hat? Dafür wird für jede Ladung der zeitliche Mittelpunkt bestimmt und gegen mehrere unabhängige Datenquellen aufgelöst.
Die linke Torte: Deutschland (Verbrauchsmix). Grundlage ist der deutsche Strommix im 15-Minuten-Raster von strommix.info (Rohdaten: SMARD/Bundesnetzagentur und ENTSO-E, also die amtlichen Meldedaten aller Netzbetreiber). Jeder Energieträger wird als Anteil am Verbrauch ausgewiesen – nicht an der Erzeugung. Der Unterschied ist wichtig: An windigen Tagen erzeugt Deutschland mehr, als es verbraucht (Export), nachts wird importiert. Der Import erscheint deshalb als eigenes Tortenstück.
Der Importstrom wird nicht pauschal bewertet. Über den Fluss-Datensatz von strommix.info ist bekannt, aus welchen Ländern zu jedem Zeitpunkt wie viel Strom kam (z.B. Frankreich 3 GW, Norwegen 1,5 GW). Für jedes dieser Länder wird über die ENTSO-E Transparency Platform der dortige Erzeugungsmix derselben Stunde abgefragt und mit Emissionsfaktoren des Weltklimarats (IPCC) zu einer CO₂-Intensität verrechnet – französischer Nachtstrom (viel Kernkraft, ~12 g/kWh) zählt dadurch anders als tschechischer (viel Kohle). Gewichtet nach den Megawatt-Anteilen ergibt das eine ehrliche Import-Bewertung statt eines Pauschalwerts.
Die rechte Torte: das Bundesland (Erzeugungsmix). Deutschland ist elektrisch kein einheitlicher Block – was in Nordrhein-Westfalen aus der Steckdose kommt, unterscheidet sich real von Schleswig-Holstein. Die rechte Torte zeigt, was das Bundesland des Ladeorts selbst erzeugt hat (Daten: CO2Map.de, Universität Freiburg). Bewusst als Erzeugungsmix: die Stromflüsse zwischen Bundesländern lassen sich keinem einzelnen Tortenstück zuordnen – sie stecken stattdessen vollständig in der CO₂-Zahl (nächster Absatz). Der Ladeort selbst wird übrigens per GPS-Position der Ladung und OpenStreetMap/Nominatim bestimmt.
Die CO₂-Zahl: regionalisiert und flussverfolgt. Für deutsche Ladungen gilt die verbrauchsbasierte CO₂-Intensität des Bundeslands von CO2Map.de. Deren Modell verfolgt die physikalischen Stromflüsse über Bundesland- und Landesgrenzen („Flow-Tracing"): importiert NRW Windstrom aus Niedersachsen, wandern dessen (niedrige) Emissionen anteilig mit. Deshalb können sich die beiden Werte im Vergleichstext unterscheiden – „erzeugt" und „verbraucht" sind zwei verschiedene, jeweils korrekte Antworten. Multipliziert mit den geladenen Kilowattstunden ergibt sich der CO₂-Fußabdruck der Ladung.
Ladungen in den Niederlanden laufen über eine eigene Kette: Mix und CO₂-Faktor kommen vom Nationaal Energie Dashboard (ned.nl, betrieben von den Netzbetreibern TenneT und Gasunie) – dort inklusive Kernkraft aus Borssele, die im deutschen Mix nicht mehr vorkommt.
Was die geladene Energie selbst betrifft: Die kWh-Angabe stammt aus der Ladestandsdifferenz des Fahrzeugs (SoC-Anzeige × 61,7 kWh Netto-Kapazität). Parallel wird während jeder Ladung die tatsächliche Batterieleistung (Strom × Spannung) in einem adaptiven Takt mitgeschrieben – beim Schnellladen alle ~20 Sekunden, bei langsamer AC-Ladung entsprechend seltener – und zeitlich aufintegriert: zwei unabhängige Messwege, die sich gegenseitig kontrollieren.
Ehrlichkeit bei den Grenzen. Ein „~" vor einem CO₂-Wert heißt: Schätzwert (z.B. Jahres-Durchschnitt), weil für den Zeitpunkt keine bessere Quelle verfügbar war. Werte ohne „~" stammen aus Messung oder wissenschaftlicher Berechnung realer Erzeugungsdaten. Zwei Konventionen sind zu wissen: CO2Map.de und ned.nl zählen nur direkte Kraftwerksemissionen (Kernkraft und Biomasse = 0), die Import-Bewertung nutzt dagegen IPCC-Lebenszyklus-Faktoren (Biomasse ~230 g/kWh inkl. Anbau und Transport) – beide Ansätze sind etabliert, liefern aber systematisch leicht unterschiedliche Zahlen. Und: frische Zeitpunkte basieren zunächst auf vorläufigen Netzdaten, die die Betreiber in den Folgetagen rückwirkend präzisieren.
Quellen: strommix.info (CC-BY-4.0) · CO2Map.de, Uni Freiburg (CC-BY-4.0) · ENTSO-E Transparency Platform · ned.nl (TenneT/Gasunie) · Electricity Maps · OpenStreetMap/Nominatim (ODbL) – vollständige Liste im Impressum.
REKUPERATION NACH STRASSENTYP